In Deutschland gelten bei der Kraftfahreignung für Menschen mit Epilepsie folgende Regeln:

Wer wiederholt unter epileptischen Anfällen leidet, ist nicht in der Lage, ein Kraftfahrzeug zu führen, da er sich und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. Zur weiteren Differenzierung werden die Wagenführer in zwei Gruppen geteilt:

  • Gruppe 1: umfasst die Führerscheinklassen A, A1, A2, B, BE, AM, L und T
  • Gruppe 2: umfasst die Führerscheinklassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE, D1E und die Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung (FzF)

Bestimmungen für Gruppe 1:

Die Fahrerlaubnis wird erteilt:

  • nach der einjährigen Beobachtung von einfach fokalen Anfällen, die ohne Bewusstseinsminderung auftreten und keine motorische, sensorische oder kognitive Einschränkung auf das Führen des Kraftfahrzeugs zeigen
  • nach dreijähriger Beobachtung bei Anfällen, die ausschließlich an den Schlaf gebunden sind
  • nach drei- bis sechsmonatiger Beobachtungsphase in Anschluss an einen einmaligen Gelegenheitsanfall, insbesondere wenn dieser provoziert war
  • nach einjähriger Anfallsfreiheit ohne offensichtliche Rezidivneigung (bei vormals therapieresistenten Epilepsien beträgt die Beobachtungszeit zwei Jahre)
  • nach sechsmonatiger Anfallsfreiheit, wenn die Anfälle auf eine kürzlich erfolgte Hirnoperation zurückzuführen sind

Bestimmungen für Gruppe 2:

Nach zwei unprovozierten epileptischen Anfällen bleibt der Betroffene in der Regel von dieser Gruppe ausgeschlossen, einzige Ausnahme ist eine vom Arzt bestätigte fünfjährige Anfallsfreiheit ohne Behandlung mit Antikonvulsiva.

Störung Gruppe 1 Gruppe 2
erstmaliger, unprovozierter Anfall ohne Anhalt für eine beginnende Epilepsie keine Kraftfahreignung für sechs Monate keine Kraftfahreignung für zwei Jahre
erstmaliger, provozierter Anfall mit vermeidbarem Auslöser keine Kraftfahreignung für minimal drei Monate keine Kraftfahreignung für minimal drei Monate
Epilepsie in der Regel keine Kraftfahreignung

Ausnahme:

  • mindestens einjährige Anfallsfreiheit (auch mit medikamentöser Therapie)
  • keine eignungsausschließenden Nebenwirkungen der Therapie
in der Regel keine Kraftfahreignung

Ausnahme:

  • mindestens fünfjährige Anfallsfreiheit ohne medikamentöse Therapie
persistierende Anfälle ohne zwangsläufige Einschränkung der Kraftfahreignung ausschließlich an den Schlaf gebundene Anfälle nach mindestens dreijähriger Beobachtungszeit

ausschließlich einfache fokale Anfälle ohne Bewusstseinsstörung und ohne motorische, sensorische oder kognitive Behinderung nach mindestens einjähriger Beobachtungszeit

keine Kraftfahreignung
Anfallsrezidiv bei bestehender Fahreignung nach langjähriger Anfallsfreiheit Kraftfahreignung nach sechs Monaten wieder gegeben (falls keine Hinweise auf erhöhtes Wiederholungsrisiko)

bei vermeidbaren Provokationsfaktoren drei Monate Fahrpause

keine Kraftfahreignung
Beendigung einer antiepileptischen Therapie keine Kraftfahreignung für die Dauer der Reduzierung des letzten Medikamentes sowie die ersten drei Monate ohne Medikation (Ausnahmen in gut begründeten Fällen möglich) keine Kraftfahreignung